Zeitungen und das Feuilleton, den sog. Bildungsteil

Books Tornado . Isolated on white.In jeder besseren Zeitung gibt es einen Bildungsteil, das sogenannte Feuilleton. Das Wort ist französisch und heißt Blättchen und ist aus dem französischen Journalismus zu uns eingewandert. Erfunden wurde das Feuilleton vom Abbe Geoffroy für das Journal des Debats um 800 und war usprünglich allein für Theaterkritiken bestimmt.

Inzwischen hat es sich mit allem gefüllt, was Medien, Kunst, Literatur, Musik und Wissenschaft betrifft: Renzensionen, Essays, Berichte über Kunstaustellungen, wissenschaftliche Kongresse, Konzerte, Filmpremieren, Fernshkritiken etc.  Der Ton des Feuilletons ist nicht akademisch, sondern essyistisch und gefällig.


Deshalb gibt es in der Wissenschaft das Etikett „feuilletonistisch“ als Vorwurf.  Wenn man an der Welt der Bücher und an Literatur und Wissenschaft interessiert ist, sollte man sich eine Tageszeitung oder eine Wochenzeitung halten, die ein ordentliches Feuilleton hat. Als die Zeitungen mit dem besten Feuilleton gelten die FAZ , die Süddeutsche Zeitung und die Neue Züricher Zeitung.

Wenn man mühelos Englisch ließt und originelle und informative Buchbesprechungen sucht, sollte man die New York Review of Books lesen. Die Rezensionen darin haben eine besonders gelungene Form:  Jeder Rezensent behandelt in seinem Artikel mehrere Bücher zum gleichen Thema; der Vergleich rücktdas gesamte Thema selbst in den Mittelpunkt, so dass Sachartikel und renzensionen sich wunderbar ergänzen. Auf jeden Fall ist es vernünftig  ,sich regelmäßig über die Neuerscheinungen und sonstigen Entwicklungen in der Literatur- und Kunstszene zu informieren.

Zugleich darf man dem Feuillton nicht unkritisch glauben.

Die Beiträge sind gewissermaßen verschlüsselt und spiegeln bestimmet soziale Voraussetzungen in der Kulturszene wider.  Um sie entschlüsseln zu können, muss man diese Voraussetzungen kennen. Hier ist eine kleine Lesehilfe für die verschiedenen Artikeltypen.

Rezensionen von wissenschaftlicher Literatur: eine Kritik konfronitiert den Kritiker mit der Erwartung, daß er sich mit dem Thema eines Buches besser auskennen muß als dessen Autor. Wie könnte er ihn sonst kritisieren?   In Wirklichkeit ist das aber nicht immer so. Es ist sogar selten. Das teilt der Rezensent dem Leser aber nicht mit, denn es würde seine Autorität ernsthaft beschädigen. Um nun den Verdacht erst gar nicht aufkommen zu lassen, schafft er durch seine heftige und beißende Kritik eine große Distanz zwischen dem schwachsinnigen Autor und seiner eigenen Überlegenheit, un das um so stärker, je weniger er sich in Wirklichkeit mit der verhandelten Sache auskennt.


Zwerge auf den Schultern von Riesen

Deshalb muss man wissen. Viele Kritiker sind Zwerge auf den Schultern von Riesen. Je kleinwüchisiger sie sind, desto mehr ghet es ihnen darum, den Leser zu verwirren, anstatt ihn zu informieren.  Sie referieren dann nicht den Inhalt des Buches, sondern setzen seine Kenntnis voraus.

Sie ziehen Vergleiche zu anderen unbekannten Werken, ergehen sich in unverständlichen Andeutungen für vermeintliche Insider, dogmatisch vorgetragenen Ettiketierungen und Unterstellungen, die den Leser demoralisieren und zum Ignoranten stempeln sollen.

Das alles dient nicht dem Zweck, dem Leser einen realistischen Eindruck von dem besprochenen Werk zu verschaffen, sondern soll die Unkenntnis des Rezensenten in Nebel hüllen.

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