Tizian, berühmter Maler der Renaissance (1477 oder um 1487/90 – 1576)

Tizian (eigentlich Tiziano Vecellio,* um 1477 oder um 1490, wahrscheinlicher jedoch zwischen 1488 und 1490 in Pieve di Cadore bei Belluno, damals Republik Venedig; † 27. August 1576 in Venedig) gilt als der führende Vertreter der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts und einer der Hauptmeister der italienischen Hochrenaissance. Zu Lebzeiten wurde Tizian  oft nach seinem Geburtsort Da Cadore genannt.


Von seinen Zeitgenossen als „Die Sonne unter den Sternen“ bezeichnet, war Tizian einer der vielseitigsten und mit insgesamt 646 Werken auch produktivsten italienischen Maler seiner Zeit.  Tizian malte sowohl Porträts als auch Landschaften, mythologische und religiöse Themen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen Himmlische und irdische Liebe, Mariä Verkündigung, Madonna der Familie Pesaro, Venus von Urbino und Toilette der Venus. Charakteristisch für seine Werke ist sein ausgeprägter Kolorismus, den er sein Leben lang beibehielt.

Gegen Ende seines langen Lebens vollzog er dann einen drastischen Stilbruch, der bereits zum Barock hinführt und den viele Kunsthistoriker als eine Rückkehr zu sich selbst sehen.

Das Hauptquariter Tizians war nicht in Florenz, sondern in Venedig.

Im übrigen war er aber das Gegenteil von Michelangelo.  Tizian war vielleicht der repräsentativste  Maler der Renaissance. Tizians  Spezialität war die Darstellung weiblicher Schönheit – er hat viele Venusse und Aphroditen gemalt und  die Jungfrau Maria, als ob sie Venus wäre.  Bei Tizian  sieht man nichts von Michelangelos Protest gegen die Welt und nichts von der finsteren Seite des Lebens.  Alles ist Farbe , Licht und Sinnengenuß.

Tizian war der unerreichte Meister der Nuancierung in der Farbgebung und in der Darstellung des Lichts. Neben den Frauen war seine zweite Spezialität die Anfertigung prachtvoller Portraits.  Wegen der Strahlkraft seiner Bilder  erhielt er Portraitaufträge von den Großen der Welt und Maler Kaiser Karl (Karl V), Päpste, Herzöge und Dogen.

Als Tizian  starb erwies ihm Venedig die Ehre eines Staatsbegräbnisses.

Er liegt in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari begraben.


Tizians  Malstil hatte grossen Einfluss auf spätere Generationen.  Nicht nur die großen Meister bis zum 18. Jahrhundert wie Rubens, Poussin und Watteau gehörten zu seinen Verehrern, sondern auch Hauptmeister des 19. Jahrhunderts wie Eugène Delacroix, Jean-Auguste-Dominique Ingres und besonders die Impressionisten, wie z. B. Édouard Manet erhielten durch Tizian wichtige Anregungen.

Bei Ingres Hauptwerk, dem Türkischen Bad, handelt es sich um eine logische Fortentwicklung der Edinburgher Poesie-Reihe. Doch weit bedeutender ist die tizianische Auffassung der Impressionisten, und hier vor allem die Manets. Die verführerische Venus von Urbino provozierte Manet und veranlasste ihn zu einer polemischen Nachahmung in Form der Olympia.

Hierbei wollte er bewusst polarisieren; aus Kritik an dem für das 19. Jahrhundert typischen Voyeurismus, stellt er die nackte Frau in aufreizender Pose und mit den typischen Stellungsmerkmalen einer Dirne da. Somit handelt es sich bei der Olympia um die ganz persönliche Reaktion Manets auf die Venus von Urbino.