Michael Thonet, berühmter Designer, (1796-1862) Thonet-Stühle, Thonet-Design

Michael_Thonet_14_ wikipedia.orgMichael Thonet wurde am 2. Juli 1796 in Boppard geboren und starb am 3. März 1862 in Wien.  Er war als Bau- und Möbeltischler ausgebildet, der Erfinder der Bugholzmöbel und der erste, der Möbel in Serienproduktion herstellte: ein Handwerker mit schöpferischer Phantasie, ein Unternehmer mit Ideen und Courage.  1830 machte er die ersten Versuche, Möbel aus gebogenem Buchenholz zu bauen, und entwickelte in den nächsten Jahren sein Bugholzverfahren zu immer größerer Vollkommenheit.Seine Sternstunde schlägt 1841, als seine Möbel auf  einer Ausstellung in Koblenz dem Fürsten Metternich auffallen. Der lädt ihn nach Wien ein, und Wien wird zum Ort seiner großen Erfolge.  Die österreichische Allgemeine Hofkammer verleiht Thonet das Privileg, „jede Gattung Holz auf chemisch-mechanischem Wege in beliebigem Formen und Schweifungen zu biegen“. Davon macht er, zunächst bei den Firmen List und Leistler, dann als Selbständiger, eifrigen Gebrauch. Und er beginnt, seine Arbeiten zu industrialisieren.  Der Stuhl Nr. 4, der mit den zwei großen geschnörkelten S in der Rückenlehne, mit dem das damals berühmte Kaffeehaus Daum in Wien ausgestattet wurde, wird zum ersten Serienmöbel. Nach Erfolgen auf der Londoner Weltausstellung 1851 baut Thonet in den folgenden Jahren die Firma aus, stellt Maschinen auf.


Obwohl er, um sich vor alten Gläubigern zu schützen, das Geschäft seinen fünf Söhnen überträgt, behält er, solange er lebt, die Leitung in der Hand. Für wichtige Entscheidungen holt er die Zustimmung seiner Söhne und seiner Arbeiter ein. Als die Firma vergrößert werden muß, um der wachsenden Produktion Herr zu werden, wendet Thonet, zu jener Zeit etwas Besonderes, rationelle Organisationsmethoden an. Und um nah am Rohmeratial zu sein, gründet er Zweigwerke bei den mährischen Buchenwäldern um Koritschan und Bistritz. 1860 beschäftigt die Firma Thonet 300 Arbeiter und produziert täglich 200 Möbelstücke.

Sechs Fabriken hat er schließlich, die nach dem Prinzip der Arbeitsteilung arbeiten. Thonet stirbt 1862 als berühmter Mann.  Seinen Ruhm begründeten neben dem Daum Stuhl der Stuhl Nr. 14 und Nummer 1, der Vater der gebogenen Schaukelstühle. Für die Nachwelt bleibt Thonet ein Vorbild, einer, der Kunst und Technik zu verbinden wußte, der Quantität  produzierte, ohne auf die Qualität, die er vom Handwerk kannte, zu verzichten.  Le Corbusier, der wie andere in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf Thonets Prinzipien aufbaute, sagte über die Bugholzmöbel: “ Noch nie ist Besseres an Eleganz und Konzeption, Exaktheit und Ausführung und Zweckmäßigkeit geschaffen worden“.


Der berühmte Stuhl No.4 der Gebrüder Thonet

Das Café Daum war das erste öffentliche Lokal, das seit 1849 komplett mit Stühlen von Thonet ausgestattet war. Der Stuhl Typ Nr. 4 mit einer aus einem einzigen Stück gebogenen Rückenlehne ist seitdem der klassische Wiener Kaffeehausstuhl. Die historische Bedeutung dieser Entscheidung von Frau Daum wird dadurch belegt, dass Thonet 24 Jahre später auf der Internationalen Weltausstellung 1873 einen dieser Stühle ausstellte, um die frühere Herstellungsweise zu demonstrieren.

Die frühe Absicht Luxusmöbel herzustellen, wie sie noch auf der Weltausstellung 1851 in London gezeigt wurden, erwiesen sich bald als unzweckmäßig. Die sinnvollste Verwendung der neuartigen Bugholztechnik ergab sich bei den leicht transportierbaren, leichten und doch stabilen, dabei formschönen Kaffeehausstühlen.

Bis 1871 erhielt die Firma Gebrüder Thonet zahlreiche Auszeichnungen:

  • 1851 Weltausstellung in London, Bronzemedaille.
  • 1854 Allgemeine deutsche Industrieausstellung München, Bronzemedaille.
  • 1855 Weltausstellung in Paris, Silberne Medaille.
  • 1862 Weltausstellung in London, Bronzemedaille.
  • 1862 Niederösterreichischer Gewerbeverein in Wien, Silberne Medaille.
  • 1864 Ausstellung in Linz, Große silberne Medaille.
  • 1865 Internationale Ausstellung in Dublin, Bronzemedaille.
  • 1865 Ausstellung in Salzburg, Silberne Medaille.
  • 1865 Gewerbe-Industrieausstellung Stettin, Bronzemedaille.
  • 1865 Internationale Ausstellung Köln, Silberne Medaille.
  • 1866 Land- und Forstwirtschaftliche Ausstellung Wien, Silberne Medaille.
  • 1867 Landwirtschaftliche Ausstellung in Salzburg, Silberne Medaille.
  • 1867 Weltausstellung in Paris, Goldene Medaille.
  • 1869 Internationale Gartenbauausstellung in Hamburg, Silberne Medaille.
  • 1869 Internationale Ausstellung Amsterdam, Goldene Medaille.
  • 1869 Ausstellung Altona, Goldene Medaille.
  • 1870 Ausstellung Cassel, Goldene Medaille.“

(Quelle: Festschrift der Gebrüder Thonet von 1896)