Jasper Johns, berühmter Maler, Mitbegründer der Pop Art. geb. 1930, Maler, Plastiker, Bühnen und Kostümbildner

Köln_Museum_Ludwig vom Heinrich Böll PLatz,  wiki.org

Museum Ludwig in Köln

Jasper Johns, 1930 geboren, gehört unstreitig zu den wichtigsten amerikanischen Künstlern der Gegenwart.  Jasper Johns ist einer der Gründerväter der amerikanischen Pop Art und seit vielen Jahrzehnten eine zentrale Figur in der New Yorker und internationelen Kunstszene. Mitte der fünfziger Jahre schockierte er die Öffentlichkeit – Publikum und Kritik – mit bewußt banalen Sujets: Zahlen, Flaggen und Schießscheiben waren die Motive großformatiger Gemälde, die  – grell und plakativ – den Kunstbegriffder klassischen Moderene radikal in Frage stellten.


Seit 1960 beschäftigt sich Jasper Johns intensiv mit der Druckgrafik. In seinen Lithographien, Radierungen, Siebdrucken und Monotypien erweist er sich als ein Meister dieses Mediums, als der einzige unter den lebenden Künstlern, dessen graphisches Werkan Qualität und Kreativität dem laerischen und bildhauerischen in nichts nachsteht.

Auch andere große Künstler haben mit der Lithographie experimentiert

Schon Maler wie Toulouse-Lautrec, Picasso und Chagall haben mit den vielfältigen Möglichkeiten der Lithographie experimentiert und durch ihr druckgrafisches Werk die Kunst unserer Epoche entscheidend mitgeprägt. Der Aufbruch zu weiteren, ungeahnten technischen Möglichkeiten des Verfahrens ging nach dem 2. Weltkrieg von Amerika aus. Jasper Johns gehört zu jenen Bahnbrechern, die es zur Meisterschaft führten. Seine Drucke stehen als gleichwertige Kunstwrke neben seinen Arbeiten in anderen Medien, die ihnen häufig als Vorlage dienten. Die Umsetzung eines Gemäldes in ein anderes bildnerisches Verfahren bedeutet eine Herausforderung, der sich Jasper Johns auch auf anderen Gebieten wie der Radierung und der Aquatinta stellte, auch hier vielfach innovativ wirkend.

Trotz unermüdlicher Interpretationen und brillant formulierter, kritisch-intellektueller Analysen hat Jasper Johns Werk seinen Reiz und seine Aura des Geheimnisvollen bewahrt. Geht man davon aus, daß in  Jasper Johns Arbeiten dargestellt ist, was man sieht, so setzt das schon ein unerschüttlerliches Vertrauen in das eigene Wahrnehmungsvermögen voraus.  Sein Werk jedoch, ungeachtet der Flut von Deutungen, die es auslösen mag, erschließt sich dem Betrachter nur dann, wenn er die Einzelelemente erkennt und zueinander in Beziehung setzt.  Wie jede schwer faßbare Kunst wurzelt die Unergründlichkeit bei Jasper Johns in seiner eigenen, labyrinthischen Gedankenwelt. Aber es sind durch Anhaltspunkte vorhanden – Wahrheiten, die sich im Rahmen der jeweils individuellen Maßstäbe erschließen lassen.

Jasper Johns Techniken wurden zu neuen Markenzeichen

Seit vielen Jahrzehnten arbeitet Jasper Johns mit unterschiedlichen drucktechnischen Verfahren.  Als er Mitte der fünfziger Jahre in der Malerei – auf die die Kritiker von Anfang an mit intellektuell anspruchsvollen Deutungen reagierten – seine künstlerische Idendität gefunden hatte, wandte sich Jasper Johns dem druckgrafischen Medium zu, wobei der Weg insofern vorgegeben war, als er sich ausschließlich auf frühere Bildkompositionen stützte.  Jasper Johns  Drucke und Zeichnungen schienen lediglich Repliken jener Fahnen und Zielscheiben zu sein, die für das Publikum schon zu seinem „Markenzeichen“ geworden waren.


Damals war es, einer alten Konvention zufolge, noch üblich, Jasper Johns Zeichnungen den Charkater und die Funktion von Vorstudien für seine sorgfältig ausgearbeiteten Gemälde zuzuweisen, während ein Druck den gleichen Originalcharakter vorweisen sollte wie ein Gemälde, also eine keine Ableitung, sondern eine Bereicherung von dessen Bildrepertoire zu sein hatte.

Im Grunde erschien es verdächtig, dass ein amerikanischer Künstler in der unlauteren Tradition der französischen Schule arbeitete, die es einem Cezanne, einem Lautrec oder einem Picasso erlaubt hatte, gedruckte Versionen ihrer Bilder herzustellen. In den sechziger Jahren war das Bewußtsein für den grundsätzlichen Unterschied zwischen Gattungen Malerei und Druckgraphik noch nicht vorhanden.  Dieses Bewußtsein entwickelte sich erst in der Auseinandersetzung mit den Arabeiten von Jasper Johns und anderen Künstlern, die den Gestaltungsprozess eines Kunstwerks zu ihrem Thema gemacht hatten.

Heute bestehen kaum Zweifel, daß Jasper Johns mehr als jeder andere lebende Künstler dazu beigetragen hat, die zeitgenössische Druckkunst auf ein qualitativ sehr hohes Nievau zu heben.