Herodot, berühmter Gelehrter und Schrifsteller

Herodot, berühmter Schriftsteller und Geschichtsschreiber

Herodot_AGMA_wikipedia.org

Herodot wurde um 484 v.Chr. als Sohn des Politkers Lyxes in Halikarnasos geboren. Die karisch-griechische Familie, aus der er stammte, stand in hohem Ansehen und hatte bereits andere Gelehrte und Schriftsteller hervorgebracht. Als Kind erelebte Herodot den Perserkrieg, später beeinflußten politische Zwistigkeiten und Verbannung sein Leben, so daß nicht alle seine Reisen als völlig freiwillig gelten dürfen. 444 v.Chr. wurde Herodot Bürger der griechischen Kolonialstadt Thurioi am Golf von Tarent und erlebte noch den Ausbruch des Peleponnesischen Krieges (430 v.Chr). Wenige Jahre darauf muss er gestorben sein. Vermutlich wurde er nicht mal sechzig Jahre alt.


Cicero nannte Herodot den Vater der Geschichte

Da die Werke der ältesten griechischen Geschichtsschreibere wie Hekataios und Akusilaos fast vollsatändig verloren oder doch nur in winzigen Bruchstücken und Zitaten überliefert sind, setzt für uns die abendländische Geschichtsschreibung mit Herodot ein, und Cicero hatte durchaus das Recht, ihn Vater der Geschichte zu nennen.

Vergleichen wir Herodot aber  mit anderen großen Geschichtsschreibern seines Volkes, ja sogar mit solchen, die stets weniger umstritten waren als er, weil sie vorsichtiger, kritischer, strengere zu Werke gingen, so erkennen wir bald, dass der unverwelkte Ruhm des Herodot keineswegs der eines bloßen Historikers ist. Es gibt uns in dem, was er berichtet, wie er ese berichtet und wie er zu seinem Stoff steht, den ganzen Geist des fünften Jahrhunderts.

Es gibt nichts Reizvolleres, als die Geburt der Geschichtsschreibung aus dem Geist der Sage und der mythen mitzuerleben, siebenhundert Seiten lang, mit Herodot. „Die Geschichte ist ein Märchen im Anfang. Auf ihm schwimmt ein Faktum wie auf dem Wasser, bis das Wasser verschwindet“. Das sagte Goethe während eines Badeaufenthaltes in Böhmen zu seinem Sekretär Riemer.

Es gab auch im Alterum und schon vor Herodot Reihen reiner Fakten, etwa die orientalischen oder ägyptischen Königslisten, und es gbit natürlich eine menge jenes von Goethe erwähnten Märchenwassers in den alten Kulturen, ihren Sagenkombinationen, ihren Göttergeschichten, ihren Dichtungen zwischen Homer, Mahabharata und den Veden. Herodot jedoch ist die einzigartige Begegnungsstätte aus all dem, und darum vermittelt uns sein Werk ein Schauspiel und eine Welt, denen wir nirgends sonst begegnen.

Die neun Bücher Herodots – sein Geschichtswerk

Die neun Bücher seines Geschichtswerkes lesen sich kaum weniger kurzweilig als die Bände aus Tausendundeiner Nacht. neben den politischen Taten der Könige und der helden stehen die Gaukler, die Schwindler, Ehebrecher, Narren und Verführer, die schon damals und seither immer wieder in den Gang der Geschichte eingreifen, und über dieser bunten und bewegten Welt ziehen noch immer Götter, Dämonen, Zauberer und Zaubermächte die Fäden. Und all das, was uns heute unerhaltsam bildet, ist der getreue Spiegel eines Jahrhunderts, einer ganzen Epoche, denn Herodot schrieb so, wie man damals dachte; eer reflektiert die Möglichkeiten einer wundergläubigen Phantasie ebenso wie die Begrenztheit spätmythischer Denkgewohnheiten.


Was immer man über Herodot schreiben kann, klingt schwierig und trocken gegenüber seinem eigenen, bis heute quicklebendig gebliebenem herrlichen Werk, und darum gibt es auch nichts Überflüssigeres, als ihm Irrtümer nachzuweisen oder mit dem erhobenen Zeigefinger durch den erfrischenden, belehrenden, stellenweise aber auch absurden Kosmos seiner Weltgeschichte zu wandern. Selbst dort, wo Herodot irrt, ist er noch interessanter und fesselnder als so mancher Perfektionist späterer Zeiten.

Das gewaltige Werk Herodots lässt nur einen Wunsch offen

Wenn das gewaltige Werk Herodots einen Wunsch offen lässt, so ist es der, in einem zehnten Buch die Autobiographie des Historikers vorzufinden, denn nach alle, was sich aus den Büchern eins bis neun erschließen läßt, muß dieses Leben kaum weniger interessant gewesen sein als der übrige Inhalt des Werkes. leider aber ist dieses zehnte Buch eben nie geschrieben worden, und auch die Wissenschaft hat sich begreiflicherweise ungleich stärker mit den ihr vorliegenden Materialien beschäftigt als mit der Erforschung von Herodots Leben.