Cristiano Ronaldo: Fußballgott und Diva in einem.

Foto: Wolfgang Dirscherl - pixelio.deEr gilt als exzentrisch, arrogant und begnadet in seiner Art, Fußball zu spielen. Cristiano Ronaldo ist eine kontroverse Persönlichkeit, die nicht nur aufgrund ihres Fußball Know-hows oft die Gemüter erhitzt und die Boulevardpresse auf den Plan ruft. Man kann über den jungen Portugiesen sagen, was man will, aber zur Fußball WM 2014 in Brasilien scheint er in Topform zu sein. Auch, wenn er bei der Gruppenauslosung betont hat, lieber nicht mit Deutschland in eine Gruppe kommen zu wollen. Doch die Fußballgötter machen was sie wollen und spätestens am 16. Juni 2014, wenn in der Gruppe G der dreimalige Weltmeister Deutschland auf Portugal trifft, wird sich zeigen, ob und wie Ronaldo sich in den Fokus des Geschehens rücken wird. An der klaren Favoritenstellung der DFB-Elf gegen Portugal kann freilich auch ein Cristiano Ronaldo in Hochform nicht rütteln. Zu ausgeglichen stark erscheint der deutsche Kader, im Vergleich dazu ist Portugal einfach zu sehr von den Geniestreichen seines Superstars abhängig.


Frühe Jahre und Karrierestart

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro erblickte am 5. Februar 1985 im portugiesischen Ort Funchal das Licht der Welt. Sein Vater starb bereits mit 51 Jahren an jahrelangem Alkoholkonsum. Sein zweiter Vornamen „Ronaldo“ ist eine Hommage an den Lieblingsschauspieler seines Vaters, Ronald Reagan. Im Alter von acht Jahren begann Ronaldo bei dem Amateurclub CF Andorinha seine ersten Schritte in Richtung professionelle Fußballkarriere zu machen. Nach dem Verein Nacional Funchal und einem dreitägigen Probetraining bei Sporting Lissabon, wechselte der junge Spieler in dessen Kaderschmiede. Binnen einer Saison kam Ronaldo für die U-16, U-17, U-18 und U-19 sowie die Reserveauswahl und das Profiteam zum Einsatz. Sein Debüt in der A-Mannschaft gab er 2002 gegen Sporting Braga und den Moreirense FC, wo er seine Mannschaft mit zwei Toren zum Sieg mit 3:0 schoss.

Manchester United und Real Madrid

Im Jahr 2003 setzte Ronaldo in seiner Karriere einen weiteren Meilenstein. Anlässlich der Eröffnung des José-Alvalade-Stadions in Lissabon, kam es zu einer Begegnung zwischen Manchester United und Sporting Lissabon. Die Engländer unterlagen dem portugiesischen Verein mit 1:3 und der damalige ManU Trainer Alex Ferguson kam in den Geschmack von Ronaldos beeindruckendem Spiel. Ferguson hatte durch den kürzlich erfolgten Wechsel von David Beckham zu Real Madrid eine Stelle in der rechten Mittelfeldposition zu besetzen und er entschied sich für Ronaldo. Damit war er der erste Portugiese in der Vereinsgeschichte von Manchester United. Ronaldo erhielt die Rückennummer 7 und damit war „CR7“ geboren. In dieser Saison krönte Ronaldo seine Karriere mit dem wichtigsten Titel im europäischen Vereinsfußball, als er mit Manchester United die Champions League gewann. Am Ende der Saison 2006/07 wurde Ronaldo mit 17 Toren und 13 Torvorlagen von der englischen Sportpresse, der Spielervereinigung PFA und den englischen Fans als erster Portugiese zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. Darüber hinaus wurde ihm mit 31 Treffern in der Premier League der Titel des Torschützenkönigs sowie der Goldene Schuh als bester Torschütze Europas verliehen.

Einen weiteren Rekord sprengte Ronaldo mit der für seinen Transfer gezahlten Summe zu Real Madrid von 80 Millionen Pfund Sterling (94 Millionen Euro) im Jahr 2009. Diese Summe übertraf den bis dahin geltenden Rekorderlös für Zinédine Zidane um einiges. Bei Real Madrid trug Ronaldo die Trikotnummer 9. Erst in der Saison 2010/11, nach dem Wechsel von Rául zum FC Schalke 04 und unter Trainer José Mourinho, bekam Cristiano Ronaldo seine ursprüngliche Trikotnummer 7 zurück. Ronaldos Rekorde wuchsen direkt proportional zu seinem Ruhm, der sich aufgrund seiner Fußball-Leistungen zunehmend vermehrte. Mit insgesamt 41 Treffern in 34 Ligaspielen erreichte er als erster Spieler in der Geschichte der Primera División die 40-Tor Marke und wurde zum zweiten Mal mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet. Kein anderer Spieler zuvor hatte diesen in zwei unterschiedlichen Ligen gewonnen.

Ronaldo in der Nationalmannschaft

Im Jahr 2003 feierte Ronaldo in der A-Nationalmannschaft als Einwechselspieler in der zweiten Halbzeit der Partie gegen Kasachstan seine Premiere. Während der Fußball Europameisterschaft 2004 in Portugal war er der jüngste Spieler im Team und schoss im Eröffnungsspiel gegen Griechenland ein Tor sowie im Halbfinale gegen die Niederlande das 2:1 zum Sieg. Jedoch unterlag Portugal im Finale den Griechen mit 0:1 und wurde nur Vize-Europameister. Während der Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland brillierte Ronaldo mit sieben Treffern. Zur Qualifikation für die EM 2008 steuerte der Portugiese acht Treffer bei. Allerdings mussten sich die Portugiesen im Viertelfinale den Deutschen mit 2:3 geschlagen geben und die Heimreise antreten. Bei der Weltmeisterschaft 2010 lief Cristiano Ronaldo als Mannschaftskapitän auf das Spielfeld. Doch diese WM verlief für die Portugiesen schleppend und ließ sie am späteren Turniersieger Spanien scheitern. Auch bei der Europameisterschaft 2012 war es Portugal nicht beschieden, den Europameister-Titel zu holen. Trotz Ronaldos Treffern gegen die Niederlande im letzten Gruppenspiel zum 2:1 und im Viertelfinale gegen Tschechien zum 1:0, schied Portugal im Halbfinale nach Elfmeterschießen gegen Spanien aus.

100. Länderspiel und ein Hattrick

In der Qualifikation zur WM 2014 absolvierte der Portugiese sein 100. Länderspiel. In dieser Qualifikationsphase zeigte Ronaldo sich von seiner Fußball-Schokoladenseite. Am 6. September 2013 gelang ihm im Rahmen eines 4:2 Sieges gegen Nordirland sein erster Hattrick im Nationaltrikot. Die vier Treffer zum 4:2 gegen Schweden in den Relegationsspielen gingen allesamt auf das Konto von Ronaldo. Bei dem Testspiel gegen Kamerun erzielte Ronaldo zwei weitere Tore. Die Partie endete mit 5:1 für Portugal. Diese beiden Tore Nummer 48 und 49 machen Ronaldo zum alleinigen Torschützen seines Landes, nachdem er zuvor mit Pauleta (47 Tore) gleichgezogen hatte.

Auftritt : Ronaldo


Ronaldos Spielstil wird ebenso kontrovers diskutiert, wie seine Persönlichkeit. Vermutlich, weil beide untrennbar miteinander verbunden sind. Ronaldo ist vielseitig einsetzbar und spielt mit beiden Füßen. Er ist ein talentierter Offensivspieler, verfügt aber auch über große Stärken im Angriffszentrum. Der mehrfache Übersteiger wurde zu seinem Markenzeichen und er ist dafür bekannt, leichtfüßig und trickreich seinen Gegnern durch die Lappen zu gehen. Faszinierend ist dabei, dass Ronaldo, trotz seiner Größe mit 1,85 Metern (Vergleich: Messi – 1,69 Meter, Neymar – 1,75 Meter), auch in Sprintduellen oft die Überhand behält und aufgrund seiner Sprungkraft auch das Kopfballspiel bravourös beherrscht. Seine Talente und fußballerischen Stärken wurden dem Portugiesen aber auch schon oft genug zum Vorwurf gemacht. Sein Gehabe wird oft als provokant, sein Auftritt als divenhaft und explosiv tituliert. Auch steht er oft in der Kritik, kein Teamplayer zu sein und nach dem Prinzip „all eyes on me“ zu spielen. Seine letzte rote Karte bekam der junge Portugiese im Februar 2014, als er bei einem Ligaspiel gegen Athletic Bilbao einem Gegenspieler eine Ohrfeige verpasste und für drei Spiele gesperrt wurde. Bei der WM 2014 werden zweifelsohne alle Augen auf ihn gerichtet sein, denn er gilt als der portugiesische Hoffnungsträger. Und auch die Gegner werden Ronaldo gewiss nicht aus den Augen lassen und seine Präsenz am rasen unterschätzen.

Trotz aller Kritik und persönlichen Ressentiments, die man dem jungen Portugiesen entgegen bringen mag, hat er mit seinen 28 Jahren bereits eine eindrucksvolle und glänzende Karriere hingelegt, die ihm bereits zwei Mal den Titel „Weltfußballer des Jahres“ (2008 und 2013), den „Goldenen Schuh“ (2008 und 2011) und den Champions League Pokal mit Manchester United (2008) eingebracht hat. Und das sind nur einige wenige Erfolgsstationen auf der Liste seiner beruflichen Errungenschaften. Ob sich an diese Erfolge auch ein Weltmeistertitel anschließen wird, wird sich bei der WM 2014 in Brasilien zeigen.