Berühmte Architektur: Jugendstil aus Österreich

Jugendstil Gemeindehaus Prag wikipedia.deDer Jugendstil ist eine kunstgeschichtliche Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Weitere Bezeichnungen sind art nouveau, Modern Style, Modernisme, Stile Liberty, Reformstil oder Wiener Secession; in Russland Stil Modern und in Frankreich wurde auch der Begriff Fin de siècle verwendet.


Der Jugendstil ist auch heute noch eine sehr beliebte Stilrichtung und weltweit oder europaweit verbreitet.  Eine kleine Gemeinde im Hinterland der Costa Blanca , Alcoy , ist eine Fundgrube des österreichischen Jugendstils.Schlendet man durch Alcoy und kommt in die Calle San Nicolas, so wird man überrascht feststellen, dass man vor einem Jugendstil-Juvwel steht. Die Rede ist vom Sitz des Circulo Industrial, eines Industriezirkels, der Geschäftsleuten und Unternehmen fürher als Treffpunkt diente. Es ist nur eines der zahlreichen Gebäude der Stadt im Jugenstil, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Jahr 1868 bezog der Circulo Industrial mit seiner Gründung des Haus Nummer 18, das zu dieser Zeit noch ein Wohngebäude war.   Mangels sonstigen Netzwerken,  suchten Alcoys Unternehmer einen Ort der Beziehungen und des Ideenaustauschs.  1893 kaufte der Zirkel dann das Gebäude und begann es seinen Anforderungen entsprechend umzubauen.  Die Umgestaltung unterlag den beiden Architekten Vicente Pascual und Timoteo Briet.

Die zwei Bauleiter entwarten Salons und Säle des Gebäudes neu, vor allem Briet widmete sich dem Design der Fassade. Alles entstand getreu der damaligen architektonischen Mode.  Diese Mode war der Jugendstil oder konkret die Wiener Secession.

Die europäische Jugenstilbewegung

Der 1859 in Cocentaina geborene Briet und Pascual, der 1965 in Alcoy das Licht der Welt erblickte, studierten gemeinsam an der Architekturschule in Barcelona. Beide ließen in ihren Arbeiten stets klare Einflüsse der europäischen Jugendstilbewegung erkennen.  In Alcoy sind sie verantwortlich für zahlreiche der noch heute erhaltenen Jugenstilbauten.

Vorallem Briet hatte sich der Wiener Secession verschrieben, der österreichischen Variante des Jugenstils. Begründet wurde die Bewegung von Künstlern wie Gustav Klimt oder dem Architekten Joseph Maria Olbricht Ende dees 19. Jahrhunderts in Wien. Die Gruppe stellte sich gegen den damals voherrschenden konservativen Kunstbegriff uns setzte neue Akzente in Literatur, Musik, Architektur und bildender Kunst.

Neben dem Sitz des Circulo Industrial entstanden in Alcoy noch weitere Bauwerke des Jugenstils. Die sog. Casa Laporta wurde von Timoteo Briet im Jahr 1904 bereits im Stil der Wiener Secession entworfen. Bekannter ist heute allerdings ein Gebäude seines Kollegen Pascual, die Casa del Pavo, die 1908 bereits im Stil der Wiener Secession erbaut wurde.

In Spanien ist der Jugendstil unter dem Begriff Modernismo bekannt

Das der Wiener Jugendstil in Alcoy so zahlreiche Spuren hinterlassen hat, ist überraschend. Hatte sich doch in Spanien vor allem der Modernismo  durchgesetzt, eine von Architekten wie Antoni Gaudi geprägte Bauart. Bauwerke wie die Sagrada Familia in Barcelona oder der Palau de la Musica Catalana, entworfen von Lluis Domenech i Montaner, zeigen klare Merkmale jenes spanischen Jugenstils.

Der Modernismo in Spanien ist sehr floral, gerade bei Antonio Gaudi ist die Architektur sehr verspielt.  Umso mehr mag es überraschen, dass sich Timoteo Briet und Pascual vom Wiener Jugenstil dermassen beinflussen ließen.

Bei den Wiener Secessionisten überwiegen die geometrischen Elemente, die floralen treten eher in den Hintergrund.


Auch in Valencia sind Einflüsse der Wiener Secession zu finden.

Am bekanntesten in vermutlich die Estacion del Norte (der Hauptbahnhof) in Valencia.  Entworfen und verwirklicht wurde der enorme Bau im Zentrum der Landeshauptstadt vom Architekten und Sohn Valencias, Demetrio Ribes. Elf  Jahre sollte es nach Aufnahmeder Arbeiten im Jahre 1906 dauern, bis auch die letzte Verzierung ihren Platz gefunden hatte. Vor allem die zwei Türme an den Seiten des Gebäudes und der auffallende Eingangsbereich in der Mitte machen den Bahnhof zu einem Prachtstück im Stil der Wiener Secession.

Auch die reich dekorierte Fassade erinnert an Vorbilder des österreichischen Jugenstils. Besonders beeindruckend sind die Mosaike an den Wänden, Decken und Böden im Innern des Baus.

Eine Zugreise nach Valencia lohnt sich für Freunde der Architektur also schon des Bahnhofs wegen. Wer ein wenig mehr Zeit mitbringt, kann auch die Strasse Cirilo Amoros besuchen. Dort steht das Edeficio Ferrer des Architekten Vicente Ferrer Perez – noch ein Schmuckstück im Stile Wiens.