Amerikanische Berühmtheit aus Thüringen

13-08-038-013Wenn man an Prominente aus Deutschland denkt, die es auch in den USA zu Ruhm gebracht haben, fallen einem als erstes wohl Heidi Klum, Armin Mueller-Stahl, Udo Kier, Werner Herzog, Hans Zimmer oder Christoph Waltz ein. Doch auch abseits von Film und Fernsehen sind Deutsche in America berühmt geworden.

Überall in Deutschland gibt es Städte, deren Töchter und Söhne es in den USA weit gebracht haben. Wenn man sich zum Beispiel Wohnunsgangebote im Elstertal anschaut, denkt man dabei nicht unbedingt an die Metropole New York. Doch genau dort hatte ein Mann aus Gera, dessen Namen heute nur noch wenige kennen, große Erfolge gefeiert. Max Fränkel wurde zu einem der einflussreichsten Männer des Big Apples und damit auch der ganzen vereinigten Staaten.


Tragische Biografie

Mit dem Namen Max Fränkel kam der einzige Sohn eines jüdischen Ehepaares am 3. April 1930 in Gera zur Welt. Doch bereits sechs Monate nach seiner Geburt siedelte die Kaufmannsfamilie nach Weißenfels bei Halle über. Dort betrieb der Vater einen Gemischtwarenhandel. Da der Vater selbst ein Sohn galizischer Einwanderer war, wurden die Fränkels im Oktober 1938, wie viele andere polnische und staatenlose Juden auch, von den Nationalsozialisten im Zuge der so genannten „Polenaktion“ nach Polen abgeschoben. Anschließend lebte die Familie in Krakau bei Verwandten und wartete auf das Einreisevisum für die USA, das die Mutter schon im Jahr 1933 beantragt hatte. Anfang 1939 durfte die Mutter vorübergehend nach Weißenfels zurückkehren. Dort erfuhr sie, dass die amerikanische Botschaft in Berlin ihr und ihrem Sohn Max die erhoffte Einreise in die Vereinigten Staaten gestattet hatte. Daraufhin holte die Mutter Max wieder nach Deutschland zurück und buchte die Überfahrt auf einem Schiff, während der Vater sein Geschäft verkaufte. Er musste aus Sicherheitsgründen in Krakau bleiben und floh anschließend vor den einmarschierten deutschen Truppen nach Osten. Dort wurde er von den Sowjets als vermeintlich deutscher Spion in Haft genommen. Er überlebte den langjährigen Aufenthalt in einem Straflager in Sibirien und sah seine Familie nach dem Krieg wieder. 1940 traf Max Fränkel mit seiner Mutter in New York City ein.


Leben in den USA

Dort änderte Fränkel seinen Namen, sodass ihn die Amerikaner besser aussprechen konnten und studierte an der Columbia University. Bereits an der Uni schrieb er für die Universitätszeitung Columbia Daily Spectator. Bereits ab dem Jahr 1952 war er für die New York Times tätig. In seiner langjährigen Karriere fungierte er unter anderem als Korrespondent im Weißen Haus, als Chef des Büros der New York Times in Washington D.C. und als Auslandskorrespondent in Wien, Havanna und Moskau. 1973 – 33 Jahre nach seiner Umsiedlung – erhielt Fränkel den Pulitzer-Preis in der Kategorie Auslandsberichterstattung für seine Berichterstattung über die Reise von Präsident Richard Nixon in die Volksrepublik China im Jahre 1972. Weitere Bekanntheit erlangte er durch eine Frage, die er dem Präsidenten Gerald Ford während der zweiten Fernsehdebatte im Präsidentschaftswahlkampf 1976 stellte. Ford sollte dabei auf die Beziehungen der USA zur Sowjetunion und auf seine Einstellung zur KSZE-Schlussakte eingehen. Die umständliche Antwort war der Auslöser zahlreicher Diskussionen und beeinflusste auch das Wahlergebnis. Ford verlor die Wahl gegen seinen demokratischen Herausforderer Jimmy Carter. 1986 wurde Max Fränkel zum Chefredakteur der New York Times ernannt. Diese Position hatte er bis 1994 inne. Fränkel ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Immigranten in den USA.

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